Die Verdener Domfestspiele

Freilichttheater in einer historischen Stadt

 

Es ist faszinierend, wie sehr sich eine ganze Region auf ein Projekt wie die Verdener Domfestspiele einlässt und mit großem Engagement trägt. Das beginnt mit den Sponsoren aus der Verdener Wirtschaft, mit der liebevollen Betreuung der lokalen Presse, geht weiter über die Unterstützung durch städtische Verwaltung und Verwaltung des Landkreises und endet noch lange nicht mit vielen Bürgern, die die Domfestspiele nicht nur besuchen, sondern auch publik machen, sowie Material und Arbeitskraft zur Verfügung stellen. Seit 1998 haben sich die Domfestspiele zu einem überregional bekannten, kulturellen und touristischen Publikumsmagneten entwickelt: In jeder Festspielsaison kommen rund 10 000 Gäste nach Verden, um die Freilichtaufführungen zu besuchen und etwas über die Verdener Historie zu erfahren, die stets mit im Mittelpunkt der Theaterstücke steht.

 

Das Herzstück des Spielgeschehens am Dom ist ein 1997 gegründeter, gemeinnütziger Verein, dessen Vorstand über Jahre eine umfassende Projektentwicklungs-, Organisations- und Marketingarbeit leistet, und natürlich das Ensemble, dessen rund 120 Mitwirkende auf und hinter der Freilichtbühne monatelang ihre Freizeit investieren, um das Theaterstück, Tanz und Musik, die Kostüme, die Requisiten, die Maskenbildnerei, das Bühnenbild und den gigantischen Aufbau am Festplatz zu erarbeiten. Ganz ohne professionelle Hilfe geht es nicht, daher engagiert der Verein für die Domfestspiele jeweils zusätzlich Regisseur, Bühnenmeister, professionelle Schauspieler, Techniker und andere Fachleute, um das Spektakel zu einem Augenschmaus fern des reinen Laientheaters zu machen.

 

Die Mischung, so zeigte sich bereits in den ersten Festspielen 1998, ist trotz aller Arbeit und allen Stresses derart spannend und bindend, dass sich alle Beteiligten als Domfestspielfamilie sehen (liebevolles Kürzel: Domis) und 1998 einen Aufkleber entwickelten, dessen Text lautete: "Gibt es ein Leben nach den Domfestspielen?"

 

Für die meisten Mitspieler der ersten Stunde gab es das, denn rund 60 Prozent der Menschen, die einmal mitgemacht haben, fanden sich sofort wieder ein, als die Festspiele für 2000, 2003, 2005 und 2008 zum Casting aufriefen. Viele andere bedauerten es, dass sie aufgrund beruflicher oder privater Konstellationen nicht mehr dabei sein konnten und können. Bei anderen "Domis" haben die Festspiele eine Leidenschaft fürs Theaterspiel geweckt, die weit über das Laienspiel hinausgeht: Mittlerweile werden einige Rollen mit Semiprofessionellen besetzt, die nach den ersten Festspielen Schauspielunterricht nahmen und noch nehmen, auch an anderen Bühnen tätig sind, doch den Domfestspielen stets die Treue halten.

 

Auch in der Entwicklung neuer Theaterstücke, die traditionell historische Begebenheiten aus der reichhaltigen Geschichte Verdens verarbeiten, arbeiten begeisterte Ehrenamtliche und Professionelle zusammen. Ideen und Erzählstränge werden auf der Basis historischer Daten und Dokumente erfunden und dann zur weiteren Verarbeitung an Autoren gegeben.Daraus entstanden bisher das mittelalterliche Spektakel „Das Geheimnis des Bischofs von Verden“ (Autor und Regisseur Dieter Jorschik - Aufführungen 1998 und 2000), die historische Posse „Liebesleid und Mauerstreit“ (Idee: Björn Emigholz, Beate Ambroselli, Gabriele Müller; Autor und Regisseur: Gabriel Reinking - Aufführungen 2003 und 2005) und die historische Krimikomödie „Der Raub des Domschatzes“ (Idee: Björn Emigholz, Gabriele Müller; Autor und Regisseur: Ralph Oehme - Aufführungen 2008).

 

Neuerlich finden die Domfestspiele alle drei Jahre mit einem jeweils neuen Stück statt. Die nächste Freilichtsaison ist für das Jahr 2011 geplant. Der Titel des neuen Stückes lautet „Der steinerne Mann“ (Idee und Konzept: Gabriele Müller; Autor und Regisseur: Hans König) und wird um 1587 spielen.