teilnahme

"Der steinerne Mann"

Eine historische Legende aus der Zeit der Reformation

 

Anno domini 1526 wird der Mönch Johann Bornemacher als Anhänger Martin Luthers wegen seiner Predigten in dem Städtchen an der Aller noch auf den Scheiterhaufen gebracht, anschließend findet im Bistum Verden der Konfessionswechsel allerdings in bemerkenswerter Ruhe statt. Mit dem Erlass einer Kirchenordnung manifestiert Bischof Eberhard von Holle 1568 den Wandel: Die meisten seiner Schäfchen folgen einfach den neuen Ritualen, zumal man Gottes nun in deutscher Sprache übermitteltes Wort besser verstehen kann als die zuvor auf Latein gehaltenen Predigten. Nur einige Ewiggestrige wie die gestrenge Katholikin Magdalene Zehring, Mutter des Domküsters Zacharias Zehring, hadern mit sich und der reformierten Kirche.

 

Für allgemeinen Unmut sorgen der Bischof und seine Domherren jedoch, als sie den weniger mystischen Glauben, der, statt Beichte und Vergebung zu bieten, auf Selbstverantwortlichkeit fürs Seelenheil drängt, verstärkt auf den Alltag ausweiten wollen. Schlimm genug, dass die beliebten Nonnen des Klosters Mariengarten enteignet wurden und der gern gesehene Weinhändler Salman aus der Stadt vertrieben werden soll, wenn er seinem Judentum nicht abschwört. Um Versuchungen bei volkslustigem Treiben gar nicht erst entstehen zu lassen, wird den Verdenern aber außerdem noch eines ihrer liebsten und stets ausgiebig gefeierten Feste untersagt: Die Fastnacht. Nur die Schergen des Bischofs verhindern, dass das unterschwellige Murren gegen das intolerante Verbot gefährlichere Formen annimmt.

 

Maria Elver, Tochter des Notars und Vikars von St. Andreas, Hinricus Elver, nimmt allerdings den Domherren gegenüber hinsichtlich dieser Lustfeindlichkeit kein Blatt vor den Mund. Die junge Frau, die mit ihrer Schönheit auf dem Fest für Furore gesorgt hat, ist gerade aus Bremen nach Verden zurückgekehrt. Sie wurde von einer finanziell unabhängig lebenden Tante zum Freigeist erzogen und ihre Einstellung gegenüber dem anderen Geschlecht entspricht keinesfalls den gängigen Vorstellungen der Zeit: Weder sieht Maria ihr Heil in der Ehe, noch akzeptiert sie Männer als per se der Frau überlegen. Sie ist im Gegenteil der Meinung, letztlich jeden, auch bereits vergebenen Mann verführen und beherrschen zu können. Eine Wette mit ihren Freundinnen soll den Beweis erbringen. Als Opfer auserkoren wird der auf eine düstere Weise attraktive Domküster, verlobt mit der fleißigen und tugendsamen Gesche Hinrichs.

 

Zacharias Zehring hat derweil schon mit anderen Dämonen zu kämpfen. Seine verbitterte Mutter setzt ihm zu und er leidet unter der herablassenden Art des Bischofs und der Domherren als seine Brotgeber. Der leidenschaftliche Mann ist daher sehr empfänglich für die Annäherung der gebildeten Maria, die ihm statt der bisher bekannte Enge eine andere Welt eröffnet. Wider Erwarten entwickelt die Circe bei ihren heimlichen Treffen ebenfalls Zuneigung zu dem Mann, mit dem sie die Liebe zur Freiheit teilt. Beim Domküster verstärkt sich dadurch seine innere Zerrissenheit: Soll er das Gewohnte aufgeben, Verden und Gesche verlassen? Wovon soll er mit Maria leben, die Geldnöte bisher nicht kennt? Das verhasste Gehabe seiner Dienstherren liefert ihm schließlich einen Grund, sein Amt als Küster zu missbrauchen. Nach und nach zweigt er Teile aus den Spenden und konfiszierten Geldern der Domgemeinde ab und versteckt das Diebesgut.

 

Und noch etwas glaubt Zacharias sich nun nehmen zu dürfen: In einem Anfall von ungeduldiger Raserei zwingt er die jungfräuliche Gesche, die von seinen Gefühlen für Maria nichts ahnt, zum Liebesakt. Wenig später erfährt die junge Müllerin von mitleidigen Freundinnen jedoch die schockierende Wahrheit über ihren Verlobten.

 

PAUSE

 

Einige Wochen danach hat das Leben für Gesche erst recht keinen Sinn mehr, denn nun ist sie gewiss, ein uneheliches Kind von Zacharias in sich zu tragen. Vollkommen hoffnungslos will die so Geschändete sich selbst entleiben. Ein rettender Engel in Gestalt ihres Nachbarn und Jugendfreundes Johann Bolland kann den Selbstmord verhindern. Schon seit vielen Jahren ist der wissbegierige Fischer, der eifrig beim Magister Eilhard von der Hude studiert, um später an der neuen Domschule, die der Bischof gründen will, unterrichten zu können, heimlich in die Freundin verliebt. Der bedächtige und kluge Jüngling bittet Gesche liebevoll trotz ihrer Schwangerschaft um ihre Hand und bietet ihr damit eine neue Perspektive. In einem Brief an Zacharias löst sie daraufhin auch offiziell die Verlobung.

 

Dem Domküster missfällt zwar die aktive Zurückweisung durch seine einst so fügsame Verlobte, doch Maria macht dem Zaudernden vehement deutlich, dass jetzt schließlich auch das letzte Hindernis für ein gemeinsames Verlassen der Stadt aus dem Weg geräumt sei. Bei Sonnenaufgang will man sich auf den Weg machen zu einer verlassenen Kate bei Bremen, die Marias Tante gehört und als erster Zufluchtsort dienen soll. Als Startgeld für sein neues Leben muss Zacharias nur noch die gestohlenen Goldtaler und andere entwendete Wertgegenstände aus seinem Versteck holen. Doch die Domherren sind dem diebischen Küster längst auf der Spur......